Herr Gruber, Berge, Sonne, liebliche Täler und dann so ein Drama: Sie verlieren Ihren Freund und plötzlich stehen Sie zwischen zwei Frauen!
Gruber: Wie im richtigen Leben. Bis auf die zwei Frauen. Ich kenne das noch vom "Sturm", da stand die Figur ja auch ständig zwischen zwei Frauen. Daher war die Situation jetzt nicht allzu neu für mich.
Aber das genießt man also Schauspieler schon, oder?
Gruber: Absolut.
Stumph (protestiert): Zwischen zwei Frauen, das ist doch total anstrengend!
Gruber: Na ja, man könnte meinen, dass er zwischen zwei Frauen steht, aber in den ersten vier Folgen haben wir es, glaube ich, klar gestrickt, dass sein Herz einer gehört und das schlechte Gewissen ihn zur anderen treibt.
Stephanie, der schnelle rote Wagen tröstet nicht über den Herzschmerz weg. Wieso stehen Frauen irgendwann immer neben einer Rivalin?
Stumph: Nun, ein Mann zwischen zwei Frauen, das gibt der Sache die richtige Würze, zumindest im Film. Ich selbst habe damit allerdings noch keine Erfahrung gemacht, weder zwischen zwei Frauen und einem Mann noch zwischen zwei Männern und einer Frau. Das ist mir zu anstrengend, ich bin dafür auch viel zu bodenständig und zu ehrlich, um irgendwelche Spielchen zu spielen.
Aber wieso fallen viele Frauen, und Sie spielen ja eine von denen, immer auf die charmanten Schufte herein?
Stumph: Weil die das clever anstellen. Die Frage ist natürlich auch, was will die Frau. Sucht die was Festes oder nicht. Aber in der Rolle bin ich ja mit Martin fest zusammen, und ich finde auch nicht, dass er ein Schuft ist. Privat sowieso nicht, er ist ein super Typ, aber auch im Film. Er hintergeht ja niemanden. Mein Problem ist nicht, dass er bei der anderen bleibt, sondern dass er unsere gemeinsamen Ziele nicht mehr sieht. |
Könnten Sie seine Motive privat nachvollziehen?
Stumph: Ich kann seine Figur in dem Fall sehr gut verstehen. Weil Familie und Freundschaft sind auch für mich sehr wichtig, und da müssen andere Personen eben mal zurückstecken.
Wie war das in der Wand, Herr Gruber? Das sind aber nicht Sie, sondern Stuntmen, oder?
Gruber: Doch, das bin ich selbst. Ich wollte, dass es echt aussieht, authentisch, und da haben wir versucht, zu 90 Prozent keine Stuntleute zu nehmen. Ich bin privat auch schon geklettert, habe 1995 damit angefangen und dann 2002 ein bisschen aufgehört und 2009 für dieses Projekt wieder angefangen zu klettern.
Stephanie, hatten Sie Angst um ihn oder waren Sie eher neidisch?
Stumph: Nee, Klettern ist nicht so mein Ding, ich bin immer nur zu den angenehmen Szenen angereist: zum Autofahren, Knutschen, Gutaussehen, Klamottentragen...
Das Stichwort ist gefallen: Küssen am Set, wie macht man's richtig?
Gruber: Zähneputzen auf jeden Fall, keinen Knoblauch vorher essen, außer, es ist abgesprochen.
Stumph: Martin ist der Profi und hat offenbar schon viel Knutscherfahrung vor der Kamera...
Sie haben keine Erfahrung vor der Kamera?
Stumph: Doch schon, aber es hält sich in Grenzen.
Das war also eine Art Premiere?
Stumph: Nein!
Gruber: Das war keine Premiere für dich? Du hast mir erzählt, das war dein erstes Mal! (lacht). Ich glaube, da wird immer viel zu viel Augenmerk drauf gelegt, und die Leute stellen sich darunter was ganz Extremes vor. Ich denke, es ist einfach eine Frage der Ästhetik und jeder hat ein ästhetisches Gefühl. Es gibt einen sehr sexuellen Kuss, da bin ich mir sicher, den hat privat schon jeder gehabt. Das ist etwas, was in der Kamera nicht gut rüberkommt, was eher schmutzig aussieht. Und dann gibt es eine Version, die sehr ästhetisch und erotisch aussieht, und das kannst du nicht lernen. Wenn du das nicht im Gefühl hast, dann hast du Pech. Oder wie stehst du dazu Stephanie? Wenn man noch dazu so schöne Lippen hat wie du, ist es sogar noch leichter.
Stumph: Ja, ich war schon ein bisschen verklemmt und steif am ersten Tag, aber wenn man so einen netten Partner hat wie Martin, dann ist das alles entspannt. Meistens werde ich unsicher und bekomme Redeflashs, ich muss dann andauern sprechen.
Das kann aber auch dazu führen, dass man die Szenen wiederholen muss, und das ist ja nicht so schlecht.
Stumph: Ja, keine Frage!
Hätten Sie gern ein bisschen mehr Action gehabt?
Stumph: Mehr Action heißt ja nicht, dass man mehr zu spielen hat. Also da wird ja viel über Technik, Kamera, Schnitte erzählt, von daher lege ich da nicht so viel Wert drauf. Zu unfraulich finde ich Action aber nicht, und ich kann auch den Reiz nachvollziehen, das kommt immer drauf an. Wenn ich jemanden ganz spektakulär aus der Wand befreien darf, würde ich natürlich nicht Nein sagen.
Kuschelromantik in den Bergen, was reizt einen als Schauspieler daran?
Stumph: Wir machen Filme fürs Publikum, aber nicht die unterste Schublade, wir machen nicht das Dschungelcamp, und trotzdem ist es Unterhaltung. Es wird eben gern produziert, weil die Einschaltquoten hierbei immer wieder hoch gehen. Die schöne Landschaft, natürlich ist auch was fürs Herz dabei, Träume, Liebesgeschichten, in all das flüchten sich die Leute von ihrem Alltag und deswegen mache ich das. Warum ich mich dafür entschieden habe? Erstens, ich drehe sehr gern, ich bin ein echtes Arbeitstier. Und zweitens, wenn man die Tochter von einem bekannten Schauspieler ist, dann muss man einfach viel arbeiten, um sich abzunabeln, sonst könnte ich mich auf meinem "Stubbe" ausruhen. Und dann nimmt man natürlich auch Angebote an, weil man mich mag und nicht weil ich die Tochter von Wolfgang Stumph bin. Weil man mich schauspielerisch in diesem Format sieht. Dann lese ich mir das Buch durch, gucke es mir an und gehe gern Kompromisse ein.
"Bergwacht", guckt ihr euch so ein Format privat selbst an?
Stumph: Also ich sehe mir den Martin sehr gern an. Außerdem gibt's immer wieder neue Formate, man ist neugierig, was die anderen Kollegen so treiben. Das will man ja auch wissen. Und das wäre auch ein Grund für mich, einzuschalten.
Der Papa, schaut der sich Ihre Sachen an?
Stumph: Der guckt, was ich mache, ja, weil er sehen will, was seine Tochter macht. Ansonsten guckt er relativ wenig fern. Es sei denn Reportagen und Informationssendungen.
Zum Abschluss müsst ihr euch bitte noch gegenseitig loben.
Gruber: Stephanie hat eine unwahrscheinliche Bodenständigkeit, sie ist sehr offen, sie ist extrem unschauspielerisch, heißt extrem zugänglich, hat keine Macken, keine Zicken, ist morgens wie abends freundlich, es gab keinen einzigen Tag, wo das vorkam, und wir haben wirklich unter erschwerten Bedingungen gedreht. Es ist eine Wohltat mit ihr gedreht zu haben, mit ihr privaten Kontakt zu halten. Stephanie ist mir wirklich ans Herz gewachsen.
Stumph: Er ist mir auch sehr ans Herz gewachsen. In dieser Branche gibt es so viel Oberflächlichkeit und so viele ichbezogene Menschen, die ihr Herz in irgend einer Kiste gelassen haben, und das ist bei ihm überhaupt nicht der Fall. Das Bodenständige, was ich sehr schätze und das uns beide auch verbindet, das trifft man halt nicht so oft.
Das heißt, ihr seid Freunde geworden?
Stumph: Ja, absolut. Das kommt nicht so häufig vor. Wenn der Dreh zu Ende ist, ist meistens auch Schluss. Dabei bin ich so ein Gewohnheitstier, und wenn ich mich mal an was gewöhnt habe, will ich es nicht mehr missen.
Berliner Kurier: 25.11.2009 |