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  Berechenbares Risiko

Liebe und andere Tragödien rund um das Gipfelkreuz: Emilie (Stefanie von Poser) und Stefan (Stefan Murr) in der neuen Alpen-Schmonzette, die den Dachstein als Kulisse unvergesslich in Szene setzt. (Fotos ZDF)

Mit "Die Bergwacht" setzt das ZDF weiter auf Naturverbundenheit. Die neue Serie spielt in der rauen Landschaft am Dachstein

Andreas überredet seinen Freund Stefan am Tag nach seiner Hochzeit zu einer harmlosen Kletterei - als Abschied gewissermaßen, denn Andreas will eine Kletterschule im Grand Canyon eröffnen. Dann geschieht das Unglück: Ein Stein trifft Stefan, er stürzt ab und stirbt in den Armen seines Freundes, den er noch bitten kann, sich um seine Ehefrau Emilie zu kümmern. Andreas kommt dem Wunsch nach, gibt seine eigenen Pläne auf, übernimmt den maroden Hof und wird Mitglied der Bergwacht.

Der Schauspieler Martin Gruber, der die letzten Jahre vor allem am Fürstenhof in der Serie "Sturm der Liebe" als Hotelchef Felix Saalfeld verbracht hat, bewegt sich nun in einem ganz anderen Umfeld. Die rauen Berge des Dachstein, die schroffen Steiermärker, abenteuerliche Klettertouren. Gruber, selbst leidenschaftlicher Bergsteiger, wollte unbedingt alle Szenen selbst drehen, einzig die Absturzszene von Stefan (Stefan Murr) wurde aus Sicherheitsgründen von Profis gestellt. Die Gefahr von Steinschlag hat auch er am eigenen Leib zu spüren bekommen: Dieses Risiko ist einfach völlig unberechenbar. Das bleibt."

Andererseits ist der charismatische Münchner ein abenteuerlustiger Bauchmensch und Realist zugleich: "Als ich das Drehbuch gelesen habe, war schnell klar - das wird harte Arbeit." In nur vier Wochen nach Zusage musste er sich zu dem Extremkletter Andreas Marthaler entwickeln. Das bedeutete eine kontrollierte Ernährung, Klettertraining, harte Arbeit im Fitnessstudio. "Ich lote gerne Grenzen aus, ob das nun körperlich ist oder ob man sich beim Schachspielen gegenüber sitzt.

Unterstützt wurde er bei seiner Vorbereitung von der Bergwacht Ramsau. Die echten Bergretter haben auch die Dreharbeiten beratend begleitet und für die Sicherheit der Kletterszenen gesorgt. "Da war absolutes Vertrauen notwendig", erklärt Gruber, "sonst würde das auch nicht funktionieren, wenn man nur an einem Seil 100 Meter frei über dem Boden baumelt."

Das ZDF baut nach "Der Bergdoktor" weiter auf naturverbundene Serien. Doch in "Die Bergwacht" geht es rauer zu. Das vermittelt sich schon durch die Auswahl des Gebirges: Nicht nur ist der Dachstein kantiger als die Landschaft im "Bergdoktor", auch die Geschichten seien zugespitzter. "Die Serie steht für eine andere Moral und Haltung", resümiert Klaus Bassiner, Leiter der ZDF-Hauptredaktion "Reihen und Serien". Außerdem gibt es einen weiteren nicht zu verachtenden Unterschied: Der Regisseur Axel de Röche hat die kompletten Aufnahmen in High Definition gedreht. Entstanden sind großartige Naturansichten, die dem Massiv mit fast 3000 Metern Höhe ausreichend Raum geben.

Land und Leute sollen rau und kantig sein wie der Dachstein

Gruber passt ideal in das Ambiente und in diese Rolle, verkörpert er doch einen naturverbundenen, sportlichen und nahbaren Typ. In Andreas steckt eine Menge Martin Gruber: Ich denke so zu 80 Prozent. Die Eigenarten machen einen ja letztlich aus. Wenn man diese Ecken und Kanten einbringen kann, dann sind die Rollen ja auch spannend." Man sieht ihm die harte Arbeit für die Rolle an, auch wenn er weiterhin Latte Macchiato genießen will. Daher verspricht die Serie eine angenehme Portion Authentizität, die auch deshalb angemessen ist, da laut Bergwacht Ramsau die Zahl der tödlich verlaufenden Unglücke in den letzten Jahren wieder zugenommen hat.

 

Tina Schlegel - Münchner Abendzeitung (Nov/2009)

 

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